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Arbeitsvertrag im Kindergarten
Was im Vertrag stehen muss, welche Rechte und Pflichten beide Seiten haben und wo man verhandeln kann – mit Fallbeispiel, Stellenanzeigen-Vergleich und Rollenspiel.
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Kapitel 1
Welche Regeln gelten?
Ein Arbeitsverhältnis wird von mehreren Ebenen geregelt. Je höher die Ebene, desto stärker gilt sie. Nach dem Günstigkeitsprinzip darf eine untere Ebene nur zugunsten der Beschäftigten abweichen.
- 1GesetzeBGB, NachwG, ArbZG, BUrlG, KSchG, TzBfG, SGB VIII
- 2Tarifvertrag / AVRTVöD SuE, TV-L, AVR Caritas oder Diakonie, Haustarife
- 3Betriebsvereinbarungz. B. Dienstplan, Schließzeiten, Fortbildung
- 4Arbeitsvertragdie persönliche Vereinbarung mit dem Träger
- 5WeisungsrechtGruppe, Dienstzeiten, Aufgaben im Alltag § 106 GewO
Wer ist der Arbeitgeber?
Kommunale Träger
Stadt oder Gemeinde als Arbeitgeber. Mitbestimmung durch den Personalrat.
Kirchliche Träger
Caritas, Diakonie, Kirchengemeinden. Mitarbeitervertretung (MAV); Loyalitätspflichten möglich.
Freie Träger
AWO, DRK, Paritätischer u. a. Oft an den TVöD angelehnt; Mitbestimmung durch den Betriebsrat.
Elterninitiativen, private Träger
Oft kein Tarif: Gehalt, Urlaub und Arbeitszeit stehen nur im Vertrag – genau prüfen.
Kapitel 2
Was muss im Vertrag stehen?
Das Nachweisgesetz verpflichtet den Arbeitgeber, die wesentlichen Bedingungen schriftlich nachzuweisen § 2 NachwG. Name, Vergütung und Arbeitszeit spätestens am ersten Arbeitstag, der Rest innerhalb von 7 Tagen bzw. einem Monat.
- Vertragsparteien mit Anschrift
- Beginn und ggf. Ende (Befristung)
- Arbeitsort: eine oder mehrere Kitas
- Tätigkeit, z. B. Gruppenerzieher:in
- Probezeit und ihre Dauer
- Vergütung: Höhe, Zulagen, Fälligkeit
- Arbeitszeit, Pausen, Schichtsystem
- Überstunden: wann und wie ausgeglichen
- Urlaub in Tagen pro Jahr
- Fortbildung durch den Träger
- Kündigung: Verfahren und Fristen
- Hinweis auf Tarifvertrag oder AVR
Was gilt nur in der Kita?
- Erweitertes Führungszeugnis
- Vor Arbeitsbeginn und regelmäßig erneut vorlegen, meist alle 5 Jahre § 72a SGB VIII
- Masernschutz
- Nachweis über Impfung oder Immunität vor Beginn der Tätigkeit § 20 IX IfSG
- Infektionsschutz
- Belehrung bei Beginn und danach mindestens alle 2 Jahre § 35 IfSG
- Schutzauftrag
- Verfahren bei Kindeswohlgefährdung kennen und einhalten § 8a SGB VIII
- Datenschutz
- Informationen über Kinder und Familien bleiben vertraulich – auch nach Vertragsende.
- Mutterschutz
- Gefährdungsbeurteilung; ggf. Beschäftigungsverbot bei fehlender Immunität, z. B. Ringelröteln.
Merksatz: Kinderschutz beginnt mit dem Arbeitsvertrag. Führungszeugnis, Schutzkonzept und § 8a-Verfahren gelten für Träger und Fachkraft – sie sind nicht verhandelbar.
Kapitel 3
Probezeit, Befristung, Arbeitszeit
Probezeit
- Höchstens 6 Monate § 622 III BGB
- Kündigungsfrist in dieser Zeit: 2 Wochen
- Kündigungsschutzgesetz gilt erst nach 6 Monaten
Befristung
- Ohne Sachgrund: max. 2 Jahre, bis zu 3 Verlängerungen § 14 II TzBfG
- Mit Sachgrund: z. B. Elternzeitvertretung
- Schriftlich vor Arbeitsbeginn – sonst unbefristet § 14 IV, § 16 TzBfG
Verfügungszeit
Vorbereitung, Beobachtung, Dokumentation, Elterngespräche und Teamsitzungen sind Arbeitszeit. TVöD SuE: mind. 30 Std. pro Jahr für Vor- und Nachbereitung (Vollzeit). Landes-Kitagesetze regeln teilweise mehr.
Pause heißt Pause
Wer beim Mittagessen Kinder beaufsichtigt, hat keine Pause. Pausen brauchen eine Vertretung im Dienstplan.
Kapitel 4
Wer schuldet wem was?
Der Arbeitsvertrag ist ein gegenseitiger Vertrag § 611a BGB: Die Pflicht der einen Seite ist das Recht der anderen.
Arbeitnehmer:in (Fachkraft)
- Arbeitsleistung nach Dienstplan
- Weisungen befolgen § 106 GewO
- Aufsichtspflicht gegenüber den Kindern
- Verschwiegenheit und Datenschutz
- Krankmeldung sofort, AU-Bescheinigung ab Tag 4
- Rücksicht auf die Interessen des Trägers
Arbeitgeber (Träger)
- Vergütung pünktlich zahlen
- Fürsorgepflicht und Arbeitsschutz
- Urlaub gewähren
- Entgeltfortzahlung bei Krankheit (6 Wochen)
- Gleichbehandlung (AGG)
- Arbeitszeugnis ausstellen § 109 GewO
Wo prallen die Interessen aufeinander?
Gemeinsames Ziel: gute Bildung und Schutz der Kinder. Der Fachkräftemangel stärkt zurzeit die Verhandlungsposition der Fachkräfte.
Kapitel 5
Was wird bezahlt – und was ist verhandelbar?
| Tätigkeit (TVöD SuE) | Entgeltgruppe |
|---|---|
| Kinderpfleger:in, Sozialassistent:in | S 3 – S 4 |
| Erzieher:in | S 8a |
| Erzieher:in mit besonders schwierigen Tätigkeiten | S 8b |
| Kita-Leitung (je nach Platzzahl) | S 7 – S 18 |
Innerhalb der Gruppe: Stufen 1–6 nach Berufserfahrung. Beträge ändern sich mit jeder Tarifrunde – aktuelle Entgelttabelle TVöD SuE prüfen. Urlaub: gesetzlich mind. 20 Tage (5-Tage-Woche), im TVöD 30 Tage, im SuE zusätzlich 2 Regenerationstage.
Nicht verhandelbar
- Mindesturlaub
- Höchstarbeitszeit, Pausen
- Mindestlohn
- Schriftform der Kündigung
- Führungszeugnis
Fest geregelt
- Entgeltgruppe, z. B. S 8a
- Jahressonderzahlung
- Urlaub: 30 Tage
- Kündigungsfristen
- Abweichung nur nach oben
Verhandelbar
- Wochenstunden
- Stufe: Anerkennung von Berufserfahrung § 16 TVöD
- Befristet oder unbefristet
- Einsatzort, Gruppe
- Fortbildung, Zulagen
Und das 13. Monatsgehalt? Gesetzlich gibt es keinen Anspruch. Im TVöD regelt § 20 TVöD die Jahressonderzahlung – fest nach Entgeltgruppe. Ohne Tarif ist sie reine Verhandlungssache.
Kapitel 6
Wie endet das Arbeitsverhältnis?
Form
Nur schriftlich mit eigenhändiger Unterschrift. E-Mail oder Messenger sind unwirksam § 623 BGB
Fristen
Gesetzlich 4 Wochen zum 15. oder Monatsende; für den Träger länger, je nach Dauer § 622 BGB. Der TVöD hat eigene Fristen § 34 TVöD
Schutz
Kündigungsschutz nach 6 Monaten bei mehr als 10 Beschäftigten. Sonderschutz: Schwangerschaft, Elternzeit, Schwerbehinderung.
Kündigung erhalten? Innerhalb von 3 Wochen Klage beim Arbeitsgericht § 4 KSchG – danach gilt die Kündigung als wirksam.
Kapitel 7 · Üben
Ist Lenas Vertrag in Ordnung?
Lena M., staatlich anerkannte Erzieherin, erhält ihren ersten Vertrag von der Elterninitiative „Kleine Strolche e. V.“ Prüfen Sie jede Klausel: wirksam oder unwirksam?
0 von 5 beantwortet
Merke: Eine unwirksame Klausel macht nicht den ganzen Vertrag unwirksam – an ihre Stelle tritt das Gesetz.
Was verrät eine Stellenanzeige?
Anforderungen: Was wird erwartet?
- Staatliche Anerkennung als Erzieher:in
- Erfahrung, z. B. U3 oder Sprachförderung
- Führungszeugnis, Masernschutz
Bedingungen: Was wird geboten?
- Wochenstunden und Befristung
- Tarif, Entgeltgruppe, Sonderzahlung
- Urlaub, Fortbildung, Extras
- „in Anlehnung an TVöD“
- Kein Anspruch auf den Tarif – genau nachfragen, was übernommen wird.
- „leistungsgerechte Vergütung“
- Keine Zahl genannt – das Gehalt muss verhandelt werden.
- „hohe Flexibilität“
- Wer bestimmt Dienstzeiten und Einsatzort?
- „zunächst befristet“
- Mit Sachgrund? Gibt es eine Chance auf Übernahme?
Welche Stelle bietet was?
Drei erfundene Anzeigen. Klicken Sie in jeder Zeile auf das Angebot, das Ihnen am besten gefällt.
| Kriterium | A · Städtische Kita | B · Evangelische Kita | C · Elterninitiative |
|---|---|---|---|
| Stunden | 39 Std. | 30 Std. | 25–35 Std., „flexibel“ |
| Befristung | unbefristet | 2 Jahre, Elternzeitvertretung | unbefristet |
| Vergütung | TVöD SuE, S 8a | AVR Diakonie | „leistungsgerecht“ |
| Sonderzahlung | Jahressonderzahlung | laut AVR | keine Angabe |
| Urlaub | 30 Tage + 2 Regenerationstage | 30 Tage | 28 Tage |
| Extras | Fortbildung, Jobticket | Supervision, Fortbildung | kleines Team, Mitgestaltung |
| Anforderung | Anerkennung, U3-Erfahrung | Anerkennung, christliche Werte | Anerkennung, Kochdienst |
Auftrag: Welche Stelle wählen Sie – und was würden Sie bei den anderen nachfragen oder verhandeln?
Rollenspiel: Wie verhandelt Emma ihren Vertrag?
Emma, staatlich anerkannte Erzieherin mit 3 Jahren Berufserfahrung und Zusatzqualifikation in Sprachförderung, hat ein Angebot der Kita „Sonnenblume“ – freier Träger, Vergütung in Anlehnung an TVöD SuE. Verhandelt wird über Stufe, Wochenstunden, Befristung, Jahressonderzahlung und Fortbildung.
Ihre Ziele
- Die Stelle schnell besetzen – zwei Gruppen sind unterbesetzt.
- Im Budget bleiben: Einstieg in Stufe 2, 39 Stunden pro Woche.
- Vertrag zunächst auf 1 Jahr befristen, weil die Finanzierung unsicher ist.
- Jahressonderzahlung möglichst niedrig halten.
Ihr Spielraum (nur verraten, wenn nötig)
- Stufe 3 ist möglich, wenn die Berufserfahrung nachgewiesen wird.
- Ein Fortbildungsbudget ist vorhanden.
- Weniger Stunden gehen nur, wenn der Frühdienst trotzdem abgedeckt ist.
Bedenken Sie: Sagt Emma ab, bleibt die Stelle vielleicht lange frei. Gesetzliche Regeln sind nicht verhandelbar.
Ihre Ziele
- Stufe 3 – Ihre 3 Jahre Berufserfahrung sollen anerkannt werden.
- 30 Stunden pro Woche, weil Sie nebenbei eine Weiterbildung machen.
- Ein unbefristeter Vertrag.
- Eine Jahressonderzahlung wie im TVöD.
- Eine bezahlte Fortbildung in Sprachförderung.
Ihre Argumente
- Fachkräftemangel: Sie haben noch ein zweites Angebot.
- Erfahrung und Zusatzqualifikation bringen der Kita Qualität.
- Planbare Arbeitszeit senkt Ausfälle und Fluktuation.
Vorbereitung: Bringen Sie Ihre Ziele in eine Rangfolge. Was ist am wichtigsten, worauf können Sie verzichten?
Ihre Aufgabe
Sie greifen nicht ein. Beobachten Sie und geben Sie danach beiden Seiten Feedback.
- Welche Interessen nennt jede Seite?
- Welche Argumente überzeugen?
- Wo gibt jemand nach – und wofür?
- Wie sind Ton und Körpersprache?
- Wurde etwas vereinbart, das gegen ein Gesetz verstößt?
Die Rollenkarten gibt es auch als PDF zum Ausdrucken (rollenkarten.pdf herunterladen).
Zum Mitnehmen
Was prüfe ich vor der Unterschrift?
Unsicher? Niemand muss sofort unterschreiben. Beratung gibt es bei GEW, ver.di oder der Interessenvertretung (Betriebsrat, Personalrat, MAV).